Winfried Hahn: PSYCHISCHE ERKRANKUNGEN IM LICHT DER BIBEL


Winfried Hahn: PSYCHISCHE ERKRANKUNGEN IM LICHT DER BIBEL

Dieses Buch versucht, Wege der Veränderung und Heilung nach den Aussagen des Neuen Testaments aufzuzeigen. Es beantwortet deshalb nicht nur Fragen des psychischen Heilungsprozesses, sondern beinhaltet auch Grundsätze für die geistliche Entwicklung und Persönlichkeitsveränderung, wie sie jeden Menschen betreffen. Dass dabei psychische Erkrankungen hauptsächlich im Blickfeld stehen, macht diese Ausführungen zu einer wertvollen Hilfe für den Seelsorger und christlichen Therapeuten.

 

Buchbesprechung aus 'Bibel und Gemeinde', Ausgabe 3/2006 Winfried Hahn studierte Pädagogik und absolvierte eine Ausbildung zum christlichen Therapeuten. Als Leiter des de'ignis-Wohnheims zur außerklinischen psychiatrischen Betreuung verfügt er über einen reichen Erfahrungsschatz in der Betreuung psychisch Kranker. Sein Buch ist zweigeteilt: Auf den ersten 162 Seiten entfaltet der Autor seine Einsichten zum Thema; die letzten rund 80 Seiten enthalten vier Anhänge, in denen andere Autoren Einzelaspekte der Gesamtthematik beleuchten. Als Ursachen für die starke Zunahme seelischer Erkrankungen in den letzten Jahren nennt Hahn den Verlust von Heimat, die Forderung immer höherer Flexibilität in Beruf und Familie, den Zerbruch der familiären Strukturen und das Fehlen einer Halt und Orientierung gebenden Weltanschauung. Der Autor erkennt, dass in den kommenden Jahren die Seelsorge an psychisch Labilen zu einem der Hauptarbeitsgebiete der christlichen Gemeinden werden wird. Dabei wird von den Seelsorgern Geduld erwartet; denn die Begleitung seelisch angeschlagener Menschen nimmt viel Zeit in Anspruch. Hahn beschreibt in allgemein verständlicher Weise einige wichtige psychische Krankheiten (Depression, Neurose, Psychose, Angststörungen), lässt aber die heute grassierende Burnout-Erkrankung unerwähnt (in der Neuauflage bereits enthalten). Als therapeutischen Schlüssel für psychisch Kranke sieht Hahn die freundschaftliche Beziehung zu Gott. Wenn ein Mensch seine Defizite anerkenne, in eine Beziehung zu Gott trete und erkenne, dass er von Gott bedingungslos angenommen und geliebt sei, werde ein Genesungsprozess angestoßen, der über die Verarbeitung traumatischer Erlebnisse und das Erleben des Von-Gott-geliebt-Seins Schritt für Schritt zur inneren Heilung führe. Das Ziel der Seelsorge müsse deshalb sein, die „Beziehung des Menschen von gesetzlichem Druck, Versagensängsten und Handlungsorientierung gegenüber Gott zu befreien und ihn hineinzuführen in eine entspannte Freundes- und Liebesbeziehung“ zu seinem Schöpfer (S. 28). Der Heilungsprozess setze also dort ein, wo der Ratsuchende dem liebenden und gütigen Gott begegne. Zusätzlich müsse der Mensch aber auch an der Veränderung seines Verhaltens arbeiten. Dies solle jedoch nicht durch eigene Anstrengung geschehen, sondern „durch das Erkennen, Glauben und Annehmen der neuen Schöpfung, die Christus in uns vollbracht hat…“ (S. 160). Wenn der Patient begreife und im Glauben annehme, dass er durch Christus von der Macht der Sünde erlöst ist und sich fortan der Sünde verweigere und sich „im Herzen“ für das Gute entscheide, dann komme es ganz automatisch zu einer Verhaltensänderung, die zur Genesung des Patienten beitrage. Hahn sieht das Herz des Menschen als zentrale Entscheidungsinstanz. Wenn der Mensch sich in seinem Herzen dafür entscheide, Gottes Wirken in seinem Leben Raum zu geben, sei die wichtigste Voraussetzung für eine Verhaltensänderung und damit der Genesung gegeben. Der Seelsorger habe die Aufgabe, diesen Prozess durch eine behutsame und verstehende Gesprächsführung zu begleiten. Daher könne Seelsorge auch definiert werden als Begleitung bei Wachstumsprozessen der Persönlichkeit des Ratsuchenden. Hahns therapeutischer Ansatz ist biblisch begründet und wird manchem Ratsuchenden mit leichteren psychischen Beschwerden eine Hilfe sein. Doch bei schwereren seelischen Erkrankungen ist oft eine mehrdimensionale Therapie nötig, die von Hahn jedoch nur angedeutet wird: seelsorgerlich, medikamentös und evtl. auch psychotherapeutisch. Am Ende des Buches findet sich ein knappes, aber nützliches Verzeichnis weiterführender Literatur. Ein Sachregister fehlt und sollte bei einer erneuten Auflage angefügt werden. Das Buch eignet sich als Einführung in die Seelsorge an seelisch Leidenden. Es ist Theologiestudenten, Pastoren, Seelsorgern und anderen, die im Dienst an psychisch Kranken stehen zu empfehlen. Friedhelm Jung, Bonn

 

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